Anträge

Hallo, das ist noch nicht final überarbeitet, aber weil es oft gefragt wird hier schon vorab:

Ich wurde gebeten etwas zum Thema Anträge zu schreiben. Ich werde es erst mal aus meiner Situation berichten und dann etwas auf spezielle Punkte eingehen.

Es ist eine seltsame Situation, ein Mensch mit Depressionen muss keinen Antrag stellen, um Psychopharmaka zu bekommen. Eine Person, die vermutet transsexuell (medizinischer Ausdruck) zu sein schon. Allem voran geht, wie bei allem was mit der Krankenkasse zu tun hat, dass man einen Arzt besucht. Die Krankenkasse darf nur bei Krankheiten oder Dingen die gleichwertig zu einer Krankheit zu sehen sind helfen. Daher ist es erforderlich, dass man sich in eine psychologische Therapie. Nun gibt es viele die sagen: Ich bin ja nicht krank und wenn ich nicht heterosexuell bin schickt mich auch keiner zu einer Therapie. Im Allgemeinen wollen nichtheterosexuelle Personen, aber auch keine Kostenübernahmen von der Krankenkasse haben.

Es muss also zunächst ein Therapeut gefunden werden. Ich war damals in einer Therapie, doch der behandelnde Arzt (hier gibt es Unterschiede: Verhaltenstherapeutinnen sind meiner Erfahrung nach vorzuziehen, gegenüber tiefenpsychologisch arbeitenden Kolleginnen, aber auch das hat Vorteile (später)) hielt das für eine Phase, nicht so wichtig und meine angespannte Situation mit Abschlussprüfungen eher diskussionswert. Ich musste mir eine andere Therapeutin suchen, die mir die sogenannte „Indikation“ schreibt, das hat sie auf Basis ihrer Erfahrung (über 15 Jahre) dann auch getan, allerdings erst nach etwa 6-7 Monaten, da die Krankenkasse dies als Mindestfrist sieht.

Zeit ist hier entscheidend, je länger der Therapeut eine Person kennt, desto eher ist die Kasse geneigt die Indikation auch ernst zu nehmen bzw. entsprechende medizinische Behandlungen zu genehmigen. Daher musst ich ein „Attest“ von meinem vorherigen Therapeuten –nach Ablehnung des ersten Antrags auf Nadelepilation-  nachreichen. Dieser hat dann nach weiteren 3 Sitzungen tatsächlich etwas geschrieben und das schlug ein. Zusammen damit gab ich meine persönliche Erklärung ab und einen erweiterten Antrag, wo ich auch um Genehmigung aller weiteren Operativen Maßnahmen bat.

Vieles wurde auf später vertagt, aber weil ich über 4 Jahre Therapie nachweisen konnte und bester geistiger Gesundheit war, wurde an dieser Stelle Nadelepilation und auch die GA-OP genehmigt. Der MDK prüft dies und gibt eine Empfehlung an die Krankenkasse.

Die Stimm-Op wurde zunächst abgelehnt, da erst die logopädischen Maßnahmen ausgeschöpft sein sollten. Ich machte einen Termin bei einem HNO Arzt und lies mich an das nächste Uniklinikum überweisen (Phoniatrie heißt hier das Zauberwort), hier darf der Hausarzt nicht überweisen. Der HNO Arzt ist aber nach nicht mal 5 Minuten sehr geneigt gewesen mich zu überweisen. In der Phoniatrie wurde ich begutachtet, ein Stimmfeld und Bilder von den Stimmbändern wurden gemacht und schließlich die Logopädie in 2 Sätzen a 10 Stunden verordnet. Ich habe trainiert und bescheinigt bekommen, dass ich das ganz gut gemacht habe, die Stimme war danach klarer, aber nicht höher. Ich plante jetzt diese OP in Berlin zu machen, zufällig kam ich dann auch dort hin. Dort in der Phoniatrie bekam ich dann nach einem langen und sehr angenehmen Gespräch auch bescheinigt, dass die logopädischen Mittel ausgeschöpft sind und ich nur durch Training nicht weiblicher werden (nach weiteren Stimmfeldtest etc.). Wichtig ist hier wieder die Zeit, nach einem Jahr Hormonbehandlung erwartet hier niemand mehr ein Wunder.

Nun reichte ich wieder ein Anschreiben und die Bescheinigung bei der Krankenkasse ein, darauf wurde ich persönlich zur Begutachtung beim MDK eingeladen. Ich war überrascht, aber man braucht keine Angst zu haben, die Ärztin dort, wollte mich kennenlernen.

Es war ein angenehmes und sachliches Gespräch, ich erklärte meine Beweggründe und erklärte wie sehr mich es belastet durch die Stimme falsch verortet zu werden. Ich habe ein sehr weibliches Timbre, das sagte sie auch, aber an der Tonhöhe und meinen Erfahrungen konnte sie auch nicht rütteln.

Letztlich offenbarte sie mir, wie schon Kollegen bei meinem ersten Antrag, dass sie meine (realistischen) Vorstellungen prüfen wollte. Ich bin nicht mit der Erwartung rein, dass ich klinge wie Mariah Carry nach dem Eingriff und ich bin auch nicht mit der Vorstellung zur OP, das diese meine Lebenssituation verändert: ich von einer grauen Maus zum Superstar in jeder Bar werde. Es ging mir darum wie furchtbar ich mich fühle, wenn das bestellte Taxi für Herr, statt für Frau kommt. Wie ich merke, dass ich mich dauernd auf meine Stimme konzentriere und versuche andere „abzuscannen“, ob sie deswegen was merken. Wie ich mich nicht traue in der U-Bahn ans Handy zu gehen… usw.

Es muss wie immer ein Leidensdruck erkennbar sein und der muss durch den Eingriff lösbar erscheinen.

Es hilft informiert zu sein über Risiken und die Methoden, das ist den Ärzten wichtig, denn es gibt gerade bei dieser OP (oft) zu hohe Erwartungen. Meine waren eher bescheiden, aber schon damit ist es danach nicht einfach, weil alles Zeit braucht!

Leider so sagte die Ärztin auch, gibt es (fast) keine Studien und jede steht zum neuen vor der Entscheidung Barfuß oder Lackschuh… Hier muss man sich auf seine Intuition verlassen, denn man selber muss damit leben. Letztlich stimmte die Ärztin der Sache zu und sprach die Empfehlung an die Krankenkasse aus. Diese genehmigte die OP.

Also folgende Punkte sind wichtig:

  • Therapeut, der willens ist die Indikation zu schreiben. Ansprechen direkt in der ersten Stunde, dass das das Ziel ist!
  • Lieber einen Antrag einen Monat früher stellen, als zwei Wochen vor dem Moment, wenn man zur OP will. Die Kasse hat 4-5 Wochen Entscheidungszeit, die oft überschritten wird, weil der MDK angeblich noch weitere Unterlagen benötigt in Woche 4!
  • Unterlagen immer sofort besorgen, es geht hier um fristen.
  • Im Fall einer Ablehnung muss schriftlich Widerspruch eingelegt werden, am besten sofort, mit dem Hinweis, dass man Begründung und weitere Unterlagen nachreichen wird.
  • Das Gespräch mit den Ärzten offengestalten. Keine Angst vor dem MDK Arzt in der Regel ist der froh, wenn seine Akte auf Grund derer er entscheidet gut gefüllt ist.
  • Unterlagen zur medizinischen Prüfung gehen an den MDK, nicht an die Krankenkasse (zusätzlicher Verschlossener Umschlag mit dem Hinweis „Nur zu öffnen vom medizinischen Gutachter des MDK – vertraulich“. Diese Unterlagen (Blutwerte, Gutachten etc. sind nicht für die Augen eines Krankenkassenmitarbeiters bestimmt!)

Zu den Anschreiben:

Man muss hier erklären was man will und ein kurzes Statement abgeben, das berühmte „Warum“. Ich gehe dabei auf die Ist-Situation ein, was mich belastet und wo ich Probleme sehe. Das es mich privat und beruflich einschränkt, dass ich befürchte, dass sich dieser Zustand weiter verschlechtert und dass ich mich ausführlich informiert habe. Dies sollte natürlich alles der Realität entsprechen und denn wenn man eigentlich nicht weiß auf was man sich einlässt ist man selber die Leidtragende!

Ich schreibe auch immer was ich mir erhoffe, das finde ich wichtig, denn der Zusammenhang muss klar sein. „Ich will die Stimm-Op, weil ich so unattraktiv erscheine und keiner mich mag“ ist eine Aussage die rechtlich schon nicht funktionieren kann und beim Leser die Frage aufwirft, ob die Antragstellerin überhaupt realistische Vorstellungen hat. Rechtlich daher, weil Plastische Chirurgie generell auch nicht übernommen werden kann und unattraktiv weckt da Assoziationen.

Es muss eben auch hier ersichtlich sein, dass das „Thema“ nach der OP beendet ist und der Patientin „geholfen“ ist. Wirtschaftlich betrachtet könnte man fast sagen, die Kosten sind damit gedeckelt, wobei ich das Gefühl habe, dass diese Hinweise oft auf taube oder zumindest unverständliche Ohren treffen.

Es fehlt etwas oder es gibt offene Punkte? Ich werde den Artikel (hoffentlich) noch überarbeiten, Fragen hier posten oder ich schaue dann, ob ich dazu etwas sagen kann. ;-)

 

 

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