Gebucht

Vielleicht etwas, dass ich mir dann im Juli in Antwerpen mal ansehen kann... Die Hoffnung stirbt zuletzt. :-D

Vielleicht etwas, dass ich mir dann im Juli in Antwerpen mal ansehen kann… Die Hoffnung stirbt zuletzt. :-D

Ich habe meinen Termin bei Dr. Bart gebucht und den geplanten in der Charité abgesagt. Es ist schon ein komisches Gefühl etwas auf später zu schieben, aber ein gutes wenn ich daran denke, dass es dann auch gute Aussichten auf Erfolg gibt. Zudem integriere ich mehrere Dinge in einen „Aufwasch“. Ich bin sehr gespannt und schon ein bisschen aufgeregt. ;-)

Zuletzt habe ich mich auch mit kritischen Stimmen beschäftigt, darauf will ich jetzt gar nicht eingehen, jeder und jede muss darüber für sich nachdenken. Ich hoffe allerdings, dass man sich in vollem Umfang informiert: Was wird wie sein, wo werden Narben sein, wie wird der Heilungsprozess verlaufen, was sind Nebeneffekte, evtl. auch ungewollte? Ich spreche nicht vom Chaosszenario, man sollte einfach wissen wie ein Tag danach aussieht, vom Zähneputzen was evtl. nicht geht oder weh tut bis zum Schlafen, was anfangs evtl. auch nicht geht oder schwer fällt (z.B. im Fall einer FFS). Ich dachte aber auch an den Anfang zurück, an die vielen Gedanken, hunderte von DinA4 Seiten mit meinen handschriftlich fixierten Gedanken zu dem Thema.

Ich glaube manchmal klingt es etwas einfach, wie ich hier zu Entscheidungen komme. Ich denke, das liegt daran, dass ich über sehr vieles nachgedacht habe bevor ich die ersten Schritte ging. Früher habe ich Schach gespielt, es war wichtig hier im Voraus zu denken, Züge und Gegenzüge zu sehen und so habe ich auch meine Entscheidungen bisher gefällt. Glücklicherweise oder auch leider gibt es im Schach noch nicht das perfekte Spiel und auch im Leben sind manche Entscheidungen nicht ganz rund, aber das Zögern habe ich schließlich als größten Fehler gesehen. Die Angst einen Fehler zu machen hat mich Jahre lang von einem wichtigen ersten Schritt abgehalten.

Ich denke an Frühjahr/Sommer 2012 zurück, ich hatte relativ viel Zeit und die Gedanken stürmten in meinem Kopf, manchmal habe ich alle halbe Stunde die absurdesten Diskussionen mit mir selbst zu Blatt gebracht und lange darüber nachgedacht. Ich bin froh, dass sich das beruhigt hat, aber bin auch froh, dass ich diese sehr intime und intensive Zeit festgehalten habe. Ich kann so später immer darauf zurückgreifen. Auch für den MDK Gutachter hatte ich damals ein Statement verfasst, was ich mir wie vorstelle und was ich denke, was erforderlich sein wird.

Hierin kam auch FFS und natürlich die GaOP vor, das letztere sehe ich schon immer als notwendig an, aber auch hier habe ich meinen Plan beschrieben soweit zu testen wie es möglich ist und auch, dass ich diese im Ausland plane. Das Thema FFS habe ich anders behandelt: Ich habe mir vorgestellt ich schiebe es weit nach hinten in meinem „Plan“, denn ich will mir Zeit geben. Die Möglichkeiten von Hormonen habe ich beschrieben und dass ich hoffe, dass diese bei mir möglichst umfangreich eintreten. Ich habe in meiner Stellungnahme für den MDK festgestellt, dass es für mich absolut denkbar ist, wenn ich merke, dass es weiter Spannungen gibt, die nicht durch Alltag oder entsprechende Veränderung verschwinden, auch den Weg der FFS zu gehen. Ich weiß zu viel über Hormone und Medizin, als das ich mir erfolgreich vorlügen kann, der Kiefer wird schmaler, das Kinn auch, die Stirn glatter und der Haaransatz erobert alte Bereiche zurück. Im zarten Alter von 19-22 Jahren fährt dieser Zug ein für alle Mal ab. Ich habe schon gemerkt, dass ich mich eine Zeit täuschen kann, das ist mir zuletzt erfolgreich beim Adamsapfel -für etwa einen Monat- gelungen, umso schärfer aber die Wahrnehmung jetzt. Ich kann mir sagen: Das ist nicht so schlimm. Ich lese dann allerdings manchmal im Blick anderer und vor allem -und das ist das wichtige- in meinem eigenen, dass dem nicht so ist. Ich sehe dort, dass es die Dinge sind die Maya nie bekommen hätte, wäre es nicht so schwer in unserer Gesellschaft mit dem Thema raus zu kommen. Warum also soll ich Dinge behalten, die mich daran ewig erinnern werden? Schon bei der Stimme bekam ich zu oft gesagt, wie toll sie doch sei (vor der OP) und heute wird sie immer noch als tief aber weiblich empfunden. Ich bereue die Entscheidung nicht, denn es hat sehr viel Druck in meinem Fall abgebaut. Ich habe damit aber noch viel Arbeit und habe schon viel dafür getan (Training und Logopädie). Ich hatte damals im Hinterkopf, dass wenn etwas schief geht, ich hier evtl. All-in gehe (Job etc.), aber das ist ja das was das Leben ausmacht.

Ich erinnere mich an Ein Gespräch vor ein paar Monaten, es ging um das Motorradfahren. Ich habe darüber mit einer Frau gesprochen. Sie sagte, sie hätte auch einen Führerschein gemacht. Sie fand das immer toll, aber dann hatte sie Angst zu fahren, wegen der Familie, heute sei sie zu alt. Im Laufe des Gespräches verwandelt sich ihre Mimik von Begeisterung und dem freudigen Funkeln in den Augen, zu einem Ausdruck der enttäuscht wirkte. Es kamen bestimmt Gedanken hoch, was sie sonst noch alles gern machen würde oder gemacht hätte, was aber aus der Sicht damals und irgendwelchen Gründen nicht ging. Manchmal ist es sinnvoll sich zu bremsen, das ist ganz klar. Ich habe mir nach meiner Entscheidung den Führerschein zu machen eine Predigt meines Onkels anhören müssen, wie viele Motorradfahrer er (als Pfarrer) dieses Jahr schon beerdigt hatte. Letztlich hat er dann aber selbst wieder damit angefangen und es ist eine Freiheit die manche Menschen brauchen. Wenn wir uns nur von der Angst durch das Leben leiten lassen entgehen uns sehr viele schöne Momente. Gerade dieser Onkel hat mir gezeigt, dass man das Leben intensiv leben muss und dass nicht die Jahre zählen, sondern die Zeit die wir leben in diesen Jahren. Ich habe zu viele Dinge in meinem Leben getan, die das „Geschmäckle“ hatten, dass ich sie gar nicht tun will. Ich denke da nicht an einen Zahnarztbesuch, ich denke an mein früheres Leben.

Ich hoffe ich konnte hier einen Einblick geben, in das was mich bewegt, wenn ich Entscheidungen auf meinem Weg treffe. Ich treffe sie keines Falls schnell und stets mit dem Bewusstsein, dass nicht alles in rosa Watte eingepackt sein wird. Ich glaube allerdings fest daran, dass ich damit für mich ein stimmigeres Außenbild erreiche und damit auch innerlich immer mehr Ruhe einkehrt.

Mir fällt gerade noch ein, nach diesem sehr langen Beitrag, dass ich damals oft auf der Seite von Lynn Conway (http://ai.eecs.umich.edu/people/conway/conway.html) war, hier gibt es Beispiele, in denen sich Menschen aus den falschen Gründen für die Transition entschieden haben. Ich dachte darüber damals lange nach, weil ich ja nicht wissen konnte, wie ich mich fühle unter anderen Hormonen etc. Inzwischen weiß ich, dass ich hier auf dem richtigen Weg bin und mich absolut wohlfühle. In jedem Fall der dort zu lesen ist, kann ich inzwischen sagen, dass dies bie mir anders ist. Es ist aber eine Herausforderung sich solchen Fragen direkt am Anfang zu stellen, denn es kostet viel Kraft und letztlich auch Mut.

Ich wünsche ein schönes Wochenende. ;-)

Über Maya

Hallo ich bin Maya, um genau zu sein bin ich das einerseits schon mein ganzes Leben und dann wiederrum erst seit März 2012. Ich will hier meine Erfahrungen niederschreiben und meinen Weg beschreiben, den ich gerade gehe. Zu Beginn meiner Suche, hatte ich viele Fragen, was andere Denken, was sie fühlen und was sie antreibt. Mir tat es gut, von anderen zu lesen und mir tat es gut so zu merken, dass ich nicht alleine bin. Leider gibt es nicht viele schöne Blogs, die meisten sind recht kurz oder an vielen Stellen oberflächlich oder einseitig. Ich versuche hier auch objektiv zu berichten und hoffe, dass ich damit anderen betroffenen Menschen helfen kann. Mehr über mich findet ihr auf der Seite "Über mich..."
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