Der erste Post steckt noch in der Pipeline,

da gehe ich schon den zweiten an. Ich habe tatsächlich früher einen Termin bei der Charité ergattert. Dort wurde mir dann erklärt, dass das was man dort sieht nachgewachsen ist. Ich war von dieser Erklärung wirklich etwas verwirrt, um mal völlig zu untertreiben. Es geht um Knorpel, das Zeug das meines Wissens niemals wieder kommt…

Ich habe mir das alles erzählen lassen und andere Ärzte befragt und schließlich auch Dr. Bart in dem gebuchten Termin. Ich ahne welche Gründe es dafür gibt, dass man hier nicht offen mit mir war, will sie hier auch nicht ausrollen, aber alles in allem hat es mein Vertrauen, die OP in Berlin korrigieren zu lassen, minimiert. Ich nehme also Geld in die Hand und lasse es privat in Ordnung bringen.

Nun will ich aber etwas über mein Gespräch bei Dr. Bart berichten:

Es ist eine angenehme, sachliche Atmosphäre in dem Hotel. Wir sprachen zunächst über den Adamsapfel, dann über das Gesicht. Ich ließ ihm den Vortritt, wollte seine Meinung hören und sie mit meiner Liste abgleichen. Er hatte nicht nur alle meine Punkte, sondern auch die gleichen Prioritäten. Er wirkt auf mich professionell und  vertrauenswürdig. Ich fand er argumentiert sachlich und gibt meines Erachtens realistische Informationen. Auch Risiken habe ich natürlich erfragt, die Reaktion darauf fand ich auch gut, denn natürlich gibt es die, aber in Abhängigkeit von dem was eben operiert wird.

Zum Hintergrund

Ich habe mir etwas Zeit gelassen alles zu verdauen. Ich brauchte etwas, wie bei der Stimme als objektives Gegengewicht. Die Aussage „Du hast doch ein hübsches Gesicht“ (für eine Transfrau) ist nicht hilfreich. Ich sage: Ich habe ein (zu) breites Kinn, dann müsste mein Gegenüber sagen: „Nein!“ oder „Das macht nichts, weil…“, aber es kommt dieses hübsche und bezuglose Argument.

Ich kann es mir auf zwei Wegen erklären:

Die Person mag mich und findet, ich habe das nicht unbedingt nötig, da es so auch schon halbwegs passt und sie will mir vermutlich Schmerzen ersparen. Hat evtl. sogar Angst, dass ich Schaden nehme.

Oder

(Das ist jetzt die „böse“ Erklärung.) Mein alter Psychologe und ich haben viel geredet und ich halte große Stücke auf seine Fähigkeit die Untiefen der menschlichen Psyche zu erklären. So kamen wir eines Tages dazu: Wir sprachen darüber, dass ich mit dem beschreiten meines Weges niemanden verunsichern oder gar schocken will. Nach einigen Gedanken dazu sagte er, dass ich Menschen verunsichern werde, weil ich eben eine Grundsicherheit verletzte. (Das impliziert natürlich, dass er meint, dass man es immer sehen wird, aber das stelle ich mal bei Seite für den Gedanken.) Menschen haben gewisse Sicherheiten: es gibt Himmel und Erde, Wasser und Feuer, Männer und Frauen.

Nun wissen die Menschen was ich vorhabe. Ich will als Frau “durchgehen”, jene wenigen “verräterischen” Merkmale “verwischen” oder weiter “minimieren” (aus ihrer Sicht). Nun kann ich mir vorstellen, obwohl diese Personen mir wohlgesonnen sind, dass dies eine Angst auslöst: „Was wenn sie es schafft?“ Es ist wie das Gefühl, das die meisten haben, wenn sie eine Spinne sehen. Sechs Beine kann unser Hirn nicht koordinieren, wenn wir gelernt haben auf so etwas nicht mit Neugier sondern Angst zu reagieren, dann wird es eben oft Angst auslösen. Ich lasse diesen Gedanken hier mal offen. (…)

Mir fehlt nicht so viel wie einem Arnold S. der nach seiner Rolle als Killerroboter, als Frau durchgehen will, aber es gibt eben zur Zeit noch Dinge, die (vor allem) Frauen veranlassen mich einen Moment lang baff anzusehen. Ich merke wie sie dann etwas denken: „Ist ok für mich“ oder „Uh, da ist was komisch“ (nachforsch). Das ist kein Passing, das ist geduldet werden und bei nächster Gelegenheit wird das erkannte mit den Kollegen diskutiert. Ich sehe das nicht als positives Passing als Frau. Ich komme durch als Transfrau, aber nicht als Frau. Vor allem mich stört es immer diese Merkmale an mir zu finden. Deswegen gehe ich nun den Weg, dass alles etwas runder wird. Ich will auch sicher nicht sagen, dass es ein Pflichtteil des Weges im Allgemeinen ist, so etwas gibt es nämlich schon mal gar nicht. Andere sollten deshalb keines Falls ableiten: “wenn die das braucht, dann brauche ich es bestimmt auch…”

Natürlich habe ich Bedenken, aber ich glaube es ist einfach notwendig – wie eben bei der Stimme, was mich unglaublich entlastet hat. Ich sehe es und ich weiß mindestens unbewusst registrieren es viele. Ich wurde sogar schon mal angeflirtet, gerade weil der Mann den Verdacht hatte, ich könnte evtl. eine TS sein. Ich fand seine Offenheit gut, aber der dazugehörige Gedanke stört mich eben, das ist ja nicht was ich bin oder wie ich mich fühle.

Ich finde den Gedanken, dass ich mich dieser Situation weiter aussetze etwas absurd, denn die Zeit/Hormone werden hier nichts mehr ändern, dieser Effekt kommt in der ersten Pubertät und Knochen verändert sich nicht mehr dadurch, dass die Hormone nun andere sind. Folglich bleibt nur die Frage für mich, ob ich das Risiko eingehe und versuche etwas so zu verbessern. Ich will schließlich auch nicht so lange warten, bis ich feststelle, dass es nun auch egal ist. Etwas das mich seit Jahren (so etwa mit 20 fing das mit dem Kinn an) stört, wird nicht in den nächsten Jahren irgendwann irrelevant werden. Wobei doch… neulich wies mich eine Bekannte darauf hin, dass sie auch einen Damenbart habe, das störe sie auch gar nicht. Ich war dann so dreist zu fragen, ob es sie denn mit 20 oder 30 gestört hätte? Mit 81 Jahren ist es mir dann wohl auch irgendwie ziemlich egal.

Sorry, das auch dieser Beitrag ohne Bild kommt, dafür bald mehr! ;-)

Über Maya

Hallo ich bin Maya, um genau zu sein bin ich das einerseits schon mein ganzes Leben und dann wiederrum erst seit März 2012. Ich will hier meine Erfahrungen niederschreiben und meinen Weg beschreiben, den ich gerade gehe. Zu Beginn meiner Suche, hatte ich viele Fragen, was andere Denken, was sie fühlen und was sie antreibt. Mir tat es gut, von anderen zu lesen und mir tat es gut so zu merken, dass ich nicht alleine bin. Leider gibt es nicht viele schöne Blogs, die meisten sind recht kurz oder an vielen Stellen oberflächlich oder einseitig. Ich versuche hier auch objektiv zu berichten und hoffe, dass ich damit anderen betroffenen Menschen helfen kann. Mehr über mich findet ihr auf der Seite "Über mich..."
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