Heute fiel mir auf, dass mir (fast) nichts auffiel.

Frohe Weihnachten! :-)

Ich stand im Büro und unterhielt mich mit einer Assistentin und bemerkte im Laufe unseres Gespräches, dass auch im Nebenraum, von dem man uns hören konnte, jemand saß. Früher hätte mich das unruhig gemacht. Man kann mich nicht sehen und was, wenn jetzt diese Person rüber kommt und in Gedanken „Kollege“ in den Satz einbaut oder einfach nur baff schaut, wenn dieser jemand bemerkt, dass die Stimme nicht zu dem erwarteten Geschlecht/Person passt?

Ich dachte über all das beim Verlassen des Raumes nach. Ich klinge manchmal noch nicht perfekt, aber das ist nun (schon fast) meine Stimme und wird es immer mehr. Dieser Schritt erfordert eben noch Aufmerksamkeit, denn ich will bewusst etwas verändern. Viele Hemmungen sind weg und auch Gedanken an das Passing werden weniger. Ganz lässt es sich nicht verhindern, wenn ich das Damen WC verlasse, fällt mindestens zweimal der kontrollierende Blick in den Spiegel, um verräterische Unförmigkeit gerade bei Hosen auszuschließen.

Mit der Stimme nun noch ein Zwischenstand: Ich empfinde die Logopädie aktuell als hilfreich. Damit kam ich auf den Richtigen Weg. Ich hätte sonst weiter versucht meine (neue) Akustikgitarre, wie den alt bekannten Bass zu spielen. Vorher war die Logopädie wirklich ausgeschöpft, nun kann ich damit eine Abrundung erreichen und mehr als jetzt erreiche ich nun mal nicht, damit kann ich aber ganz gut leben. Neben der Tatsache, dass die Stimme nun richtig verortet wird – was ich selber nur sehr schwer einschätzen kann, ohne Tonaufnahme- habe ich nun alles getan, was in einem vernünftigen Rahmen möglich ist. Die Stimme weiter zu erhöhen hätte sehr viele Einschränkungen. Ich muss mich jetzt schon auf die neue Lautstärke einstellen. Ich spreche oft noch zu laut (für die neue Stimme), dadurch höre ich mich schnell heiser an -mit der Zeit wird das vielleicht noch besser.

Dank der neuen Höhe und meiner deutlichen Artikulation, muss ich aber nicht mehr ganz so laut sein. Der Logopäde hat das eindrucksvoll am Beispiel pubertierender Jungs verdeutlicht, die die alte Lautstärke und etwas undeutliche Betonung beibehalten, aber tiefer werden, dadurch klingen sie manchmal sehr undeutlich.

Singen ist das nächste große Ziel, ich werde wohl in keinem Chor mehr Erfolg haben, aber ich will schon grundsätzlich die Möglichkeit haben für den „Hausgebrauch“ zu singen. Inzwischen treffe ich auch hier wieder Töne und kann diese immer länger halten und in der Lautstärke modulieren. Ich bin mit der Narbe am Hals, die für die Reduzierung des verräterischen Adamsapfels erforderlich war, noch unzufrieden. Diese Narbe ist immer noch rot, etwas geschwollen und fest. Ich hoffe auch das wird noch etwas besser, denn an eine Narbenkorrektur mag ich gerade gar nicht denken. Daneben bemerke ich doch noch eine leichte Unebenheit am Hals, was wie eine Idee von einem Adamsapfel aussehen könnte. Das macht mir aber nur bei ganz mieser Stimmung Sorgen.

Etwas mehr Energie und Zeit wird es noch brauchen, bis wieder laut reden kann, ohne gleich total heiser zu klinge – so dass Menschen um mich rum schon Sorge haben, dass ich gleich gar keine Stimme mehr habe.

Ein Punkt ist mir noch wichtig: Eine Stimm-OP ist kein Wechsel der Stimme, einige Menschen in meinem Umfeld hatten wohl erwartet, dass ich ganz anders klinge, aber es wurde natürlich nur die mittlere Tonhöhe ein wenig variiert. Ich kann viele tiefe Töne nicht mehr erreichen, bei der letzten (ersten) Messung nach der OP, erreichte ich sogar einige sehr hohe Töne nicht mehr und als Marktschreierin werde ich wohl nie mehr arbeiten können.

All das ändert aber nicht, dass Maya spricht und nicht Mariah. ;)

Ich wünsche euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit!

Über Maya

Hallo ich bin Maya, um genau zu sein bin ich das einerseits schon mein ganzes Leben und dann wiederrum erst seit März 2012. Ich will hier meine Erfahrungen niederschreiben und meinen Weg beschreiben, den ich gerade gehe. Zu Beginn meiner Suche, hatte ich viele Fragen, was andere Denken, was sie fühlen und was sie antreibt. Mir tat es gut, von anderen zu lesen und mir tat es gut so zu merken, dass ich nicht alleine bin. Leider gibt es nicht viele schöne Blogs, die meisten sind recht kurz oder an vielen Stellen oberflächlich oder einseitig. Ich versuche hier auch objektiv zu berichten und hoffe, dass ich damit anderen betroffenen Menschen helfen kann. Mehr über mich findet ihr auf der Seite "Über mich..."
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2 Antworten auf Heute fiel mir auf, dass mir (fast) nichts auffiel.

  1. Walli Pech sagt:

    Liebe Maya
    Schöne Weihnachten und alles nur erdenklich Gute für das kommende Jahr, möge es dir all das geben was du dir wünschst. Ich wünsche dir das du deinen Weg mit Freude und Humor gehen kannst und das Geduld deine Begleiterin ist ;) . Mit Freude lese ich immer deinen blog und verfolge deine Erfolge und ich bewundere dich für all das was du auf dich nimmst um deinen Traum zu leben. Geh deinen Weg meine Liebe und nimm die Steine die auf ihm liegen als herausforderung und baue daraus eine Brücke in ein neues Leben. Viele liebe Grüße Walli

  2. maybee sagt:

    Hey Maya,

    habe deinen Blog gerade entdeckt und mich auch gleich etwas “festgelesen” :)

    Komm gut ins neue Jahr &
    Liebe Grüße!

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